Ab 3. Juli 1961 hing diese Benachrichtigung an der Tür der kleinen Galerie in der Ottensheimerstraße in Linz Urfahr. An Tag zuvor war Engelbert Kliemstein bei einer Fahrt zur Giselawarte ums Leben gekommen.

Die offizielle Version:  Eine angeheiterte Runde hatte sich vorgenommen, ‚die Sonne anzuschiffen‘ . In einer Kurve verlor der Fahrer die Kontrolle, der Wagen überschlug sich und Kliemstein wurde durch das offene Fenster vom Rücksitz auf die Straße geschleudert. Dort traf sein Kopf so unglücklich auf einen Randstein auf, dass er auf der Stelle das Bewusstsein verlor. Am nächsten Tag verstarb der 27-jährige im Krankenhaus. Die anderen Insassen erlitten keine Verletzungen.


Seit der ersten Ausstellung der Galerie Schableder im Juli 1958 waren erst 3 Jahre vergangen und doch war die Galerie Kliemstein in Linz zu einem Zentrum für zeitgenössische bildende Kunst geworden.  Rudolf Baschant, Egon Hofmann, Karl Stark, Slevogt, Kokoschka und andere große Namen konnte man in dieser privaten Galerie sehen.


Absurdes Theater wurde ebenso geboten wie Dichterlesungen im Kerzenlicht.

 

Engelbert Kliemstein, Otto Bejvl, Josef Fischnaller und Erich Ruprechter hatten sich zusammen als Schabledergruppe hervorgetan, als Gruppe äußerst inhomogen, als Individuen stark und eigensinnig. Ruprecht lebt als einziger noch, er war ein junger Wilder mit kräftigen aufregenden Bildern, bis zu jenem Prozess  im Mai 1961, als seine Bilder von der Sittenpolizei  abgehängt und beschlagnahmt wurden.


Otto Bejvl übernahm das Erbe der Galerie und führte diese unter seinem Namen weiter. Bis zu seinem Tod 1981 führte er erst in der Linzer Altstadt seine Galerie sowie Bejvls Hofkabinett, das er 1970 an Josef Fischnaller übergab.

 

1984 wurde die Söhne Bejvls und Fischnallers fündig: die Mutter Kliemsteins übergab ihnen den Nachlass des verstorbenen Sohnes, inklusive Gästebuch der Galerie (online nachzulesen) und einer erklecklichen Anzahl von Tagebüchern. Ihre Bitte: den Namen Engelbert Kliemstein für die Öffentlichkeit in Erinnerung zu halten.

 

Wer war Engelbert Kliemstein? Aus seinen Tagebüchern geht hervor, dass der junge Mann durchwegs unglücklich verliebt, von Todessehnsüchten verzehrt und aufbrausend im Streit selbst mit deinen besten Freunden war. Er skizziert Briefe und sein Testament, vor allem aber seelische Zustände.

 

Das Versprechen an die Mutter ist der Grund, warum das Salzamt zwischen 2002 und 2006  Kliemsteinhaus genannt wurde, und heuer, zum 50. Todestag, das Hofkabinett an ihn erinnert.

 

Wir versuchen an Hand einer Collage von Arbeiten ein kleines Stimmungsbild von damals ins jetzt zu transferieren.  Neben Kliemsteins Kunst sind auch Arbeiten von Erich Ruprecht, Josef Fischnaller, Josef Häupl, Fritz Aigner, Auguste Kronheim und anderen zu sehen.

 

Die Eröffnung findet am Donnerstag, den 17. November, ab 19 Uhr statt, zeitgleich mit der Eröffnung der Ausstellung Elfriede Trautner im Lentos. Das wäre Kliemstein wohl recht gewesen. Er war der erste, der Trautner im Februar 1960 ausgestellt hatte.

 

Paul Fischnaller
Hofkabinett